Steiermark von Pfusch und Schwarzarbeit unterwandert


Die Fälle von Pfusch und Schwarzarbeit steigen trotz unzähliger Maßnahmen gerade in der Steiermark rapide an. Offizielle Zahlen über Pfusch und Schwarzarbeit werden kaum geführt. Die Dunkelziffer aber dürfte enorm sein. Viele verdienen trotz Mindestpension mit verschiedenen Dienstbarkeiten ein nicht unwesentliches Zubrot. Selbst für Waldarbeiten werben Grundbesitzer nicht selten Pensionisten an, die jedenfalls über keinen Gewerbeschein verfügen, und nicht zwangsläufig als Land- und Forstwirtschaftler gelten.

Ein dem Steirerblatt bekannter Fall wirft zumindest Fragen auf. Für Waldarbeiten entlang eines Bachverlaufs habe man seitens des Liegenschaftseigentümers auf einen privaten Praktiker zurückgegriffen und die Beauftragung von Professionisten unterlassen. Kein Einzelfall, wie mehrere belegte Fälle unterstreichen, wenngleich die Tätigkeit einer Privatperson – sie könnte wohl auch als Freiwilligenarbeit im Rahmen des Gemeindewesens gewertet sein – nicht zwangsläufig unter den Pfuscher Paragraphen fällt.

Ein Insider im Bereich von Hausbesorger Arbeiten spricht von rund 12.000 Euro, die man gut und gerne an der Steuer vorbei transferiert. Die Pfuscher besitzen naturgemäß keinen Gewerbeschein und leisten keine Abgaben. Schwarzarbeiter, die auf den diversen Baustellen im Land zum Einsatz kommen, werden von der Finanzpolizei praktisch nicht kontrolliert. So mietet man von Baufirmen das nötige Gerät offiziell an. Die Belegschaft ist dann einfach mit dabei, wie ein Kenner der Branche die miesen Steuertricks erklärt.

„Das ist ein Sumpf der trocken gelegt werden muss“, sagt ein Finanzpolizist gegenüber Steierblatt, der anonym bleiben will. Gerade für Renovierungs- bzw. Modernisierungsmaßnahmen in Privathaushalte greifen Betroffene gerne auf benachbarte Pfuscher zurück, die kostengünstig aus unterschiedlichen Handwerksberufen kommen. Vor dem Gesetz ist Dienstbarkeit unter Nachbarn nicht zwangsläufig ein Schritt in die Illegalität, erklärt der Jurist Michael Kovalsky die Gratwanderung. Nach der Gewerbeordnung geht der Gesetzgeber zumindest von einer gewerbsmäßigen Ausübung aus, wie das Juristen Deutsch verdeutlicht. Einfach gesagt wer sich am Markt von sich aus regelmäßig und wohlweislich entgeltlich anbietet, muss mit einem Verfahren der Bezirksverwaltungsbehörde rechnen.

Vereinzelt dreist betreiben Pfuscher sogar eine eigene Werkstätte, wie der Fall eines pensionierten Tischlers aus der Obersteiermark zeigt. Vor aller Augen praktiziert der notorische Steuerflüchtling sogar an Sonn- und Feiertag, und begutachtet gut und gerne zukünftige Aufträge in nachbarschaftlichen Anwesen.

Während Land- und Forstwirte keinen Gewerbeschein brauchen und steuerlichen Begünstigen unterworfen sind, dürfte das Werkstück eines Tischlers wohl kaum das Ergebnis pflanzlicher Erzeugnisse sein. Hingegen befreit von der Anmeldung eines Gewerbes und der üblichen Besteuerung sind Imker und ihre Produkte. Egal ob Waldhonig oder Propolissalbe. Man wird nach ihnen in Gewerberegistern vergebens suchen, da sie unter die Regelung der Land- und Forstwirtschaft fallen, und damit unter die Ausnahmebestimmung des § 2 Abs 3 GewO 1994.

Vielmehr zum Aufreger tendieren jedenfalls Arbeitskräfte aus dem angrenzenden Ausland. Beispielsweise stöhnt das Handwerk der Trockenbauer längst unter den niedrigen Erträgen und der wachsenden Ostblock Konkurrenz. Betroffene Unternehmer mussten in jüngster Vergangenheit ihre Betriebe hierzulande schließen und Angebote aus der Schweiz annehmen.

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