Kurioses Insolvenzverfahren um Baufirma zieht sich hin

Mario Mihalinec

Zahlreiche Gläubiger beklagen zwischenzeitlich ein kurios behaftetes Insolvenzverfahren, anhängig beim Landesgericht Graz. Nun teilt der Insolvenzverwalter mit er habe zu wenig Geld in der Kasse. Der Schuldner selbst prahlt während dessen mit hochpreisigen Smartphone, sündhaft teurer Infrarotheizung, Playstation und zwei aufgemotzte PKW der Marken Volvo und VW.

Da schüttelt so mancher Kreditschützer den Kopf, wenn er den Namen dieses Schuldners vernimmt. In 10 Jahren häufte der gelernte Koch über 100.000 Euro an. Als angelernte Kraft versuchte der einstige „Streetfighter“ sein Glück im Baugewerbe.

Ein ehemaliger Weggefährte beschreibt ihn so: große Klappe, und nichts dahinter. Während die rar zu zählende Kundschaft kein gutes Haar am Sprücheklopfer lässt, zeigt der Blick in sein Vorstrafenregister unglaubliches: mehrfach wegen mehrerer Gewaltverbrechen einschlägig vorbestraft. In einem Fall habe der 47-jährige sogar einen Toten zu beklagen. Dafür sah der Tu-Nicht-Gut sogar eine Haftstrafe ab.

Ein Gnadengesuch beim Bundespräsidenten und der Gewerbebehörde ließen schließlich den 47-jährigen Unternehmer werden – in Österreich kein Problem, wenngleich mit der Gewerbeanmeldung eigentlich ein einwandfreier Leumund nachgewiesen werden muss.

Mehrfach belieh der Schuldner Gelder, teilweise über 10.000 Euro, die er seinen Kreditgebern bis heute schuldig bleibt. Selbst Handyverträge ließ der Schuldner andere abschließen und bezahlen, da ihm kein Mobilfunk Anbieter einen Vertrag gibt.

Anstatt die im Gegensatz zu ihm fleißigen Mitarbeiter zu entlohnen – in einem Fall bekam ein Dienstnehmer ab Beginn der Anstellung keinen einzige Cent, leerte der Schuldner mit seiner Bankomatkarte wiederholt das Geschäftskonto., denn Lieferanten wurden sowieso nicht bezahlt.

Das könnte jetzt sogar die Strafverfolgungsbehörden auf den Plan rufen. Schließlich besagt § 159 Strafgesetzbuch zur grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen:

(1) Wer grob fahrlässig (§ 6 Abs. 3) seine Zahlungsunfähigkeit dadurch herbeiführt, dass er kridaträchtig handelt (Abs. 5), ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer in Kenntnis oder fahrlässiger Unkenntnis seiner Zahlungsunfähigkeit grob fahrlässig (§ 6 Abs. 3) die Befriedigung wenigstens eines seiner Gläubiger dadurch vereitelt oder schmälert, dass er nach Abs. 5 kridaträchtig handelt.

(3) Ebenso ist zu bestrafen, wer grob fahrlässig (§ 6 Abs. 3) seine wirtschaftliche Lage durch kridaträchtiges Handeln (Abs. 5) derart beeinträchtigt, dass Zahlungsunfähigkeit eingetreten wäre, wenn nicht von einer oder mehreren Gebietskörperschaften ohne Verpflichtung hiezu unmittelbar oder mittelbar Zuwendungen erbracht,vergleichbare Maßnahmen getroffen oder Zuwendungen oder vergleichbare Maßnahmen anderer veranlasst worden wären.

Quelle: https://www.jusline.at/gesetz/stgb/paragraf/159

Ende 2019 reichte es schließlich der Gebietskrankenkasse und sie reichte einen Konkursantrag ein. Jetzt hadert der Insolvenzverwalter mit dem Vorankommen, denn wie das Landesgericht Graz veröffentlicht, stünde seit 17. September 2020 fest die Gläubiger dürften wohl leer ausgehen.

Viel Ungemach für über 85.000 Euro angemeldete Forderungen. Der einfallsreiche Schuldner jedenfalls will nebst seinen Lieferanten nicht einmal ehemals beschäftigte Dienstnehmer entlohnen. Im Auftrag des Schuldners habe der Insolvenzverwalter, wie Betroffene gegenüber Steirerblatt berichten, etliche Gehaltsforderungen, von der Arbeiterkammer angemeldet, bestritten. Jetzt muss der IEF Insolvenzfond entscheiden.

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