Jugendwohlfahrt: Ungewisse Reise für Mädchen abgewendet


Wenn auch im Vergleichszeitraum die Zahl von fremd untergebrachten Kindern in institutionellen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gegenüber 2013 im Jahr 2014 um 0,3 Prozentpunkte sank, verbleiben immerhin über 60 Prozent der Minderjährigen in ihren Pflegefamilien. Im Fall einer 11-jährigen aus Wien sollte dieses Martyrium nun einsetzen. Die Mutter psychisch labil, das Kind in der Schule auffällig, die „Experten“ der Jugendwohlfahrt (Mag 11) schnell zur Stelle.

Der Fall rüttelt auf, denn Nicole* hat eine Kindheit voller Höhen und Tiefen bereits mit 11 Jahren hinter sich. Ihren Vater kennt die Schülerin nicht, und ihre Mutter versinkt nach dem Jobverlust mehr und mehr in einem psychischen Tief. Die Tante der 11-jährigen nahm sich dem Mädchen an, und half auch bei der Entschuldung ihrer Schwester. Mit an packte sogar der Ehemann von Elvira K.*, um dem betroffenen Kind endlich Stabilität zu geben.

Nicole sollte dennoch ein weiterer Zählpunkt in der Fürsorge-Statistik sein, die derzeit von rund 11 Tausend Minderjährigen angeführt wird, wohlweislich ohne jene Zahlen aus dem Ausland, die fremd platzierte Kinder über die Grenzen Österreichs hinaus betreffen.

Sowohl Mutter als auch Tante droht die Kinder- und Jugendhilfe eine sogenannte Gefahr in Verzug Maßnahme an. Die Minderjährige, wie es im Amtsdeutsch heißt, habe in einer stationären Einrichtung versorgt zu werden. Der Fall wandert schließlich über Ungarn bis in die Steiermark, und beschäftigt zusehends Behörden. Unterdessen ziehen die schulischen Leistungen spürbar an, und auch jene in einem Gutachten skizzierten Verhaltensauffälligkeiten minimieren sich.

Auf jene ungewisse Reise, die von der Jugendwohlfahrt für die 11-jährige vorgesehen war, geht das Mädchen (zumindest) vorerst nicht, und kann nach einer richterlichen Machtentscheidung im Schoß ihrer Tante Geborgenheit finden. Vielleicht etwas, das in den Händen der Jugendfürsorge ohnehin nur ein Wunschdenken bleibt.

 


* Namen der Redaktion bekannt – Namen zum Schutz der Betroffenen geändert

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